Werkspost – der politische Salzburg-Kommentar
Schifahren in Zeiten des Klimawandels

Der Salzburger Skitourismus bewirbt sich für den Darwin Award

In Zeiten des Klimawandels um Wintergäste auf den USA und aus China zu werben ist paradox. Die Anreise mit dem Flugzeug befeuert die Erderwärmung und zerstört somit die Lebensgrundlage des Skitourismus.
Eine Werkspost von:

Stefanie Ruep

10. Dezember 2025
Weil sich die Österreicher:innen das Skifahren nicht mehr leisten können oder wollen, setzt der Salzburger Tourismus jetzt auf Skigäste aus den USA oder China. Die Tourismusindustrie bewirbt sich damit selbst für den Darwin Award. Er wird normalerweise an Menschen verliehen, die sich durch verblüffenden Fehleinsatz von Urteilsvermögen selbst eliminieren. Trifft auch auf den Skitourismus zu: Im Angesicht der Klimakrise, von der er selbst hart getroffen ist, lockt er Leute an, die durch ihre Flugreise die Erderwärmung noch befeuern.

Scheint niemanden zu stören. Die Österreich Werbung wirbt verstärkt auf dem großen chinesischen Markt, und einige österreichische Skigebiete sind jetzt im Epic-Skipass inkludiert, der in den USA sehr beliebt ist. Der Skipass erlaubt Skifahren auf mehreren Kontinenten. Ist ja ganz egal, ob man in Aspen oder in Zell am See Skifahren geht – Hauptsache es ist episch.

Auch preislich ist der Epic-Pass attraktiv: Mit 1.185 US-Dollar kostet er deutlich weniger als herkömmliche Skipässe in den USA. Für die Inhaber kann ein Skitrip nach Europa, inklusive Flugticket und Hotelübernachtungen, sogar günstiger kommen, als wenn sie zu Hause in den Staaten Ski fahren. Für die Touristiker eine sinnvolle „Markterweiterung“. Denn die heimischen Gäste bleiben angesichts der anhalten Teuerung und Skitagespässen um 80 Euro pro Tag immer öfter aus – die Gfrasta.

Letzte Chance auf Wedeln
Es hat auch etwas von Letzte-Chance-Tourismus. Das Phänomen, dass viele Menschen noch einmal jene Orte sehen wollen, die es aufgrund des Klimawandels womöglich bald nicht mehr so gibt. Seit 1992 hat sich etwa die Zahl der Kreuzfahrttouristen in der Antarktis verzehnfacht. Die weißen Kunstschnee-Bänder auf grünen Wiesen, die in den letzten Jahren für Schlagzeilen sorgen, lösen bei den Skitouristen aus China und den USA wohl die gleiche Sehnsucht aus. Noch einmal wie Hansi Hinterseer mit seinen Moonboots durch den Schnee stapfen und die Pisten runterwedeln, bevor es zu spät ist.

Die Parkplätze an der Talstation sind zwar jetzt mit PV-Anlagen gepflastert, denn wie die Bergbahnen stets betonen, arbeiten die Skigebiete ja nachhaltig. Doch den größten CO2-Ausstoß beim Skifahren, nämlich mehr als 70 Prozent, verursacht immer noch die Anreise. Da hilft auch die kostenlose Öffi-Anreise in einigen Salzburger Skigebieten nichts mehr, wenn die Gäste zuvor mit dem Flugzeug am Salzburg Airport landen.

Zerstört die Lebensgrundlage der Täler
Österreich ist stolz auf die verschneiten Winterlandschaften und zugleich abhängig davon. Viele Täler leben fast ausschließlich vom Wintertourismus. Nicht nur die Seilbahnbetreiber, Hotels und die Gastronomie gibt es in vielen Skigebieten nur deshalb, auch Handwerker, Dienstleister und der Handel leben indirekt vom Tourismus.

Eine derartige Neuausrichtung als Tourismusnation hin zu Gästen aus China und den USA ist paradox: Denn durch den erhöhten CO2-Ausstoß durch die Anreise per Flugzeug werden die Lebensgrundlagen des Wirtschaftszweigs, der Schnee und die kalten Temperaturen, bedroht.

Zumindest wird Österreich so auch zur Ganzjahresdestination für Dark Tourists, also Katastrophentouristen. Im Winter kann können sie mit dem Flugzeug ankommen, um am weißen Band zu carven, und im Sommer über die Großglockner Hochalpenstraße mit dem Auto zur Kaiser-Franz-Josefs-Höhe brausen, um der Pasterze beim Schmelzen zuzusehen – beides makabre Tourismusattraktionen in Zeiten des Klimawandels.

In der neuen Werkspost spricht Stefanie Ruep mit Laura Anninger, Umweltjournalistin und Autorin, über das Schifahren in Zeiten des Klimawandels.

Infobox:
  • In den Pinzgauer Skigebieten Zell am See-Kaprun und Saalbach-Hinterglemm-Leogang-Fieberbrunn ist heuer erstmals der Epic-Skipass gültig. Er ermöglicht das Skifahren in 90 verschiedenen Skigebieten in den USA, Europa, Australien und Asien. Auch Sölden und Silvretta-Montafon kooperieren heuer neu mit dem Epic-Pass, schon im vergangenen Winter war er in den Skigebieten am Arlberg, in Mayrhofen und am Hintertuxer Gletscher gültig. Hinter dem Skikartenverbund steht der US-Betreiber Vail Resorts mit 42 Skigebieten.
  • Der Epic Skipass ist mit 1.185 US-Dollar (1.020 Euro) im Vergleich zu anderen Skipässen in den USA recht günstig. Zum Vergleich: Die Salzburger SuperSkiCard, bei der 23 Skigebiete in Salzburg und den Kitzbühler Alpen inkludiert sind, kostet heuer im Vorverkauf 999 Euro.
  • 80 Prozent der Skigäste in Österreich kommen aus den Nahmärkten. Die Österreich Werbung will das jetzt mit einer Internationalisierungsstrategie ändern. In China wird ein Potenzial von 10.000.000 Wintergästen gesehen, in den USA von 5.500.000.
  • Laut einer Analyse der Österreich Werbung hat die Schweiz bei den Amerikanern und Chinesen das stärkste Image unter den europäischen Destinationen. Auch Frankreich spielt ganz vorne mit. Österreich liegt bei den US-Wintersportlern aber bereits auf Platz vier der attraktivsten Winterziele außerhalb der USA. Bei den chinesischen Befragten lande Österreich sogar auf Platz zwei.

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