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Salzburg. Ein Land, reich an Energiearmut
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Energiearmut? Ja, das gibt es. In Salzburg ganz besonders, hier rutschen inzwischen auch Menschen aus der sogenannten Mittelschicht schleichend in die Energiearmut. Die ohnehin schon für Kürzungen und soziale Einsparungen bekannte Schwarz-blaue Landesregierung zeigt auch für das neue Jahr 2026 klar den sozialen Mittelfinger. Während man sich Dividenden in Rekordhöhe von der Salzburg AG auszahlen lässt, bleibt der Heizkostenzuschuss ein zweites Jahr in Folge auf weniger als die Hälfte gekürzt, sprich von 600 auf 250 Euro im Jahr.
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Als energiearm lassen sich Haushalte beschreiben, welche sich das Heizen, Warmwasser oder Strom nicht leisten können, ohne dabei Abstriche in anderen lebensnotwendigen Bereichen machen zu müssen. Das betrifft meist ohnehin schon vulnerable Personengruppen wie Alleinerziehende oder Pensionist:innen. Die Folgen beschränken sich dabei nicht nur auf leere Mägen und kalte Füße. Es steigt das Asthmarisiko auf ein Dreifaches, da kalte Wohnungen Feuchtigkeit speichern und somit die Schimmelbildung fördern. Auch das Risiko, Organschäden zu erleiden, ist für energiearme Personen erhöht. Gesellschaftlich werden diese Menschen oft ausgegrenzt oder müssen sich selbst isolieren. Wie sollen sich Alleinerziehende die Klassenfahrt für ihr Kind leisten können, wenn das Geld nicht mal für eine warme Wohnung reicht?
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Was tut die Landesregierung?
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Die Landesregierung kürzt den Heizkostenzuschuss und leitet die Dividenden der Salzburg AG in das Landesbudget um. Dazu kommt:
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- Menschen, die arbeiten gehen, jedoch nur knapp über der Sozialhilfe-Grenze liegen, sogenannte Working Poor, sind vom Heizkostenzuschuss faktisch ausgeschlossen. Für den Heizkostenzuschuss liegt die Einkommengrenze nämlich bei 1.424 Euro netto im Monat.
- Eine weitere Lücke zeigt sich in der Zuständigkeit. Es fehlt an Abstimmung der Ressorts. Niemand will das Problem an der Wurzel angehen: Das Sozialressort arbeitet mit Minizuschüssen, während das Wohnbauressort Förderungen streicht und sich der öffentliche Energieversorger, die Salzburg AG, nach dem Markt orientiert. Wo bleibt eine langfristige Strategie?
- Und last but not least gaukelt die Salzburg AG den Schein von Menschlichkeit vor: Auch diesen Winter wird bei Nichtbezahlung der Strom erst im März abgedreht. Aber was dann? Schuldenhaufen und keine Energie im Frühling?
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Lösungsvorschläge: Wiener Art
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Lösungen gibt es nicht nur in der Theorie oder in Staaten mit mehr Sozialgedanken. Ein Blick nach Wien reicht, um zu verstehen, was möglich ist. So sind Heizkostenzuschüsse in Wien nicht befristet und auch nicht gedeckelt. Man kann den Zuschuss rund ums Jahr beantragen. Auch gibt es Energiegutscheine. Diese werden durch Sozialeinrichtungen ausgegeben- unbürokratisch und schnell. Zudem verzichtet die Wien Energie ganzjährlich auf Abschaltungen. Mit etwas Wille wären solche oder ähnliche Maßnahmen auch in Salzburg schnell umgesetzt.
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- Laut Armutskonferenz sind in Österreich 500.000 Haushalte (12,1% der Bevölkerung) von Energiearmut betroffen. Zwischen 2022 und 2024 hat sich die Anfrage nach dem Heizkostenzuschuss von weniger als 5.000 auf mehr als 12.0000 fast verdreifacht.
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Armutskonferenz. (2025). Verbilligter Strom: Sozialtarif vervollständigen.
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Land Salzburg. (2024). Bilanz Heizkostenzuschuss 2023/24.
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- Die Salzburg AG gehört zu 42,56% dem Land Salzburg. Zu 31,31% der Stadt Salzburg und 26,13% gehören der Energie AG Oberösterreich. 2024 verzeichnete die Salzburg AG einen Rekordgewinn von 131 Millionen Euro. 66 Millionen Euro wurden als Dividenden an die Eigentümer ausgezahlt.
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Salzburg AG. (2024). Jahresergebnis 2024: Umsatz und Gewinn
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Statista. (2023). Eigentümerstruktur der Salzburg AG.
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- Der Strompreis betrug im Jahr 2022: 8,66 Cent. Im Jahr 2024: 19,97 Cent und im Jahr 2025 lag er bei 11,56 Cent. Ein Unterschied von 33% zwischen 2022 und 2025.
Salzburg AG Preisblätter (2022-2025).
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- Im Dezember 2025 verabschiedete die Bundesregierung das neue Elektrizitätswirtschaftsgesetz. Das Gesetz beinhaltet einen Sozialtarif. Dieser legt einen Strompreis von 6 Cent pro kWh (Kilowattstunde) für einkommensschwache Haushalte fest. Konkret profitieren sollen circa 290.000 Haushalte in ganz Österreich.
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Parlamentskorrespondenz. (2025). Beschluss des Elektrizitätswirtschaftsgesetzes (ElWG).
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