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Salzburg darf nicht zum Spielplatz für die Fantasien von Superreichen verkommen
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Die Mehrheit kann die Stadt zurückerobern. Lasst uns zumindest den öffentlichen Raum gemeinschaftlich aneignen!
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Milliardäre fühlen sich in Salzburg wohl. Nicht nur, weil sich die Oberen Zehntausend jeden Sommer bei den Salzburger Festspielen treffen, sondern weil man in dieser Stadt als reicher Mensch das Gefühl hat, sich alles kaufen zu können. Die Welterbe-Stadt verkommt zum Spielplatz für die Fantasien der Superreichen. Die beiden reichsten Familien Österreichs, Mateschitz sowie Porsche und Piech, zeigen mit ihren Projekten, was alles möglich ist. Angesichts hoher Wohnkosten, Gentrifizierung und sozialer Ungleichheit wird es Zeit, dass die Mehrheit die Stadt von den Reichen zurückerobert.
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Es ist wie in einem schlechter Treppenwitz. Jahrelange betont die Stadtregierung, Salzburg sei kein Freilichtmuseum, nicht nur die schöne Kulisse, sondern auch eine Stadt für die Menschen, die hier leben. Und dann steht in der Kaigasse plötzlich nur noch die Fassade eines geschützten Gebäudes. Der Erbe des Red-Bull-Imperiums Mark Mateschitz ist an jener Immobilienfirma beteiligt, die das Altstadthaus entgegen der Bewilligung völlig entkernt hat. So wie beim Saloon im „Schuh des Manitu“ bleibt nur noch eine Aufstellwand wie bei einer Filmkulisse übrig. Für die drohende Strafe wegen des Verstoßes gegen die Bauvorschriften in der Höhe von 25.000 Euro muss bei diesen Bauherren nicht einmal die Portokasse gezückt werden.
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Batman-Autotunnel und Wrecking Ball
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Ähnliche hohe Summen zahlt Wolfgang Porsche für die Nutzung des Stadtgrunds im Kapuzinerberg, durch den er seinen privaten Batman-Autotunnel zur Stefan-Zweig-Villa graben lässt. Einmalig 48.000 Euro kostete ihn der Servitusvertrag für den 500 Meter langen Tunnel samt Tiefgarage. Der Vertrag wurde von SPÖ, ÖVP und FPÖ genehmigt. Porsche darf seinen Tunnel also bauen.
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Nach der Berichterstattung über das entkernte Kaigassenhaus hat der ehemalige Red Bull Manager, Volker Viechtbauer, der ebenfalls an dem Projekt beteiligt ist, noch eins draufgesetzt: Er ließ sich per KI wie Miley Cyrus bei „Wrecking Ball“ auf eine Abrissbirne setzen und hängte das Bild auf der Baustelleneinrichtung auf. Ist das schon toxischer Reichtum? Wenn Thomas Bernhard das miterleben könnte. Der Salzburger Schriftsteller nannte seine Heimatstadt „eine perfide Fassade, hinter der alles Künstlerische absterben muss“.
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Die Stadt kollektiv wiederaneignen
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Die Auswüchse des Betongolds, die Stadtgespräche über Löcher und die weniger ansehnlichen Seiten der touristischen Märchenstadt beleuchtet Alexandra Karner alias Schiaches Salzburg in ihrem Buch „Wie man Salzburg überlebt“. Auf Instagram unterhält sie ihre Follower mit kuriosen Schnappschüssen aus dem öffentlichen Raum, um auch die schiachen Ecken der Mozartstadt zu zeigen. Im Podcast der Werkspost verrät sie, dass die grantigen Stadtbeobachtungen eigentlich eine Liebeserklärung an ihre Heimatstadt sind.
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Das gibt Hoffnung. Denn Salzburg ist mehr als ein Postkartenmotiv: Es ist das Gefühl der Freiheit, wenn man die Radlautobahn an der Salzach runterbraust. Wenn im Frühling die Leute in der Sonne spazieren oder sich auf der Salzachböschung niederlassen. Es ist der Gemüseeinkauf und die Fischsuppe am Donnerstag auf der Schranne. Der Blick vom Gaisberg auf die Stadt, ein Sprung in den Almkanal oder der Wochenendspaziergang vom Leopoldskroner Weiher auf den Mönchsberg. Bei all diesen Aktivitäten trifft man bestimmt auf Bekannte. Denn Salzburg ist ein Dorf. Die Bewohnerinnen und Bewohner sollten sich dieses kollektiv wiederaneignen.
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Die Stadtregierung versucht seit zwei Jahren zumindest in einigen Bereichen die Stadt für alle zu gestalten. Mit dem räumlichen Entwicklungskonzept, neu gestalteten Plätzen und der Reduzierung des motorisierten Individualverkehrs im Herzen der Stadt. Es gibt Konzerte, Stadtfeste und mehr öffentliche Toiletten.
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Auch wenn einzelne wenig gegen soziale Ungleichheit ausrichten können. Die Bewohnerinnen und Bewohner können den öffentlichen Raum wieder mehr für sich beanspruchen und die Stadt mit Leben füllen. Ähnlich wie bei „Reclaim the Streets“ in den 90er Jahren in London, bei denen Straßenparty und Karneval als Formen politischen Protests eingesetzt wurden. Man sollte die Stadt so einnehmen, wie man sie sich wünscht. Nicht als Freilichtmuseum für Touristinnen und Touristen, sondern als lebendige Stadt für Bewohnerinnen und Bewohner.
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In der neuen Werkspost spricht Stefanie Ruep mit Alexandra Karner über die schönen und nicht so schönen Seiten der Mozartstadt.
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- Das Salzburger Schauspielhaus hat dem Reichtum der Wenigen und der Armut der Vielen an der Salzach ein eigenes Stück gewidmet. In „Cash“ wurde die Mozart-Stadt zum Labor der Ungleichheit. Wie treffend. Denn Österreich liegt in der Euro-Zone auf Platz eins bei der Vermögensungleichheit. Das reichste Prozent der Bevölkerung besitzt 22,6 Prozent des gesamten Nettovermögens. Die reichsten fünf Prozent haben 55 Prozent des Gesamtvermögens in ihrem Eigentum.
- Die zwei reichsten Familien in Österreich besitzen mehr als die Hälfte der österreichischen Bevölkerung zusammen. Red-Bull-Erbe Mark Mateschitz ist mit einem Gesamtvermögen von 37 Milliarden Euro der reichste Österreicher. Auf Platz zwei liegt die Familie Porsche & Piëch mit einem Vermögen von 33,5 Milliarden Euro. Macht zusammen 70,5 Milliarden Euro. Die untere Hälfte der Bevölkerung besitzt dagegen nur 54 Milliarden Euro.
- „Reclaim the streets“ steht für direkte Aktionsformen mit dem Ziel der Wiederaneignung des öffentlichen Raumes. Vorbild waren öffentliche Proteste gegen Autoverkehr und Kapitalismus, die in den 90er Jahren in London entflammt waren und seitdem in vielen Ländern Nachahmer gefunden haben. Ziel der Bewegung war es, durch unangemeldete Straßenpartys und Proteste sich den öffentlichen Raum zurückzuerobern.
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