Werkspost – der politische Salzburg-Kommentar
Wolfsabschüsse in Salzburg

Präventive Wolfsabschüsse

werden keine Schafe schützen

Die neue Wolfsverordnung ist populistische Symbolpolitik mit der sich Svazek bei den Almbauern und Jägern beliebt machen will. Zu weniger Rissen führen diese Abschüsse jedoch nicht.
Eine Werkspost von:

Stefanie Ruep

13. Mai 2026
Mit den beiden präventiven Abschüssen von Wölfen inszeniert sich Jagd- und Naturschutzlandesrätin Marlene Svazek (FPÖ) als Kämpferin für die Anliegen der Almbauern. Doch mit der neuen Wolfsverordnung macht die FPÖ-Chefin den Landwirten nur falsche Hoffnungen. Denn zwei Wölfe im Innergebirg abzuschießen, wird nicht zu weniger Rissen von Ziegen und Schafen führen. Die präsentierte Verschärfung ist nichts als populistische Symbolpolitik, um den Betroffenen zu vermitteln, dass irgendetwas getan wird.

Svazek testet mit dem präventiven Abschuss den rechtlichen Spielraum aus. Obwohl der Europäische Gerichtshof in einem Urteil im Jahr 2024 bereits klargestellt hat, dass in Österreich der Wolf keinen günstigen Erhaltungszustand hat und daher nicht gejagt werden darf. Doch Svazek hat die geschützte Tierart kurzerhand vom Naturschutz- in das Jagdgesetz gehoben.

Die Milchmädchenrechnung des Landes Salzburg ist simpel: Rund zehn Wölfe ziehen durch das Bundesland Salzburg. Sie vermehren sich um rund 30 Prozent. Also können zwei Tiere geschossen werden, ohne den EU-weit vorherrschenden Erhaltungszustand zu gefährden. Und hier liegt der Knackpunkt. Svazek argumentiert mit dem EU-weiten Wolfsvorkommen.

Jedoch muss der Erhaltungszustand der Art in jedem Land günstig sein. Für Österreich wären rund 250 Tiere, oder über hundert Rudel nötig für einen günstigen Erhaltungszustand, erläutert der Biologe Lucas Ende vom Naturschutzbund im Podcast der Werkspost. Mit den 121 durchziehenden Einzeltieren und acht Rudeln, die im Vorjahr nachgewiesen wurden, sind wir davon noch weit entfernt.

Rudel sind nicht das Problem
Marlene Svazek will keine Rudel in Salzburg. Das hat sie bei der Präsentation der neuen „präventiven“ Wolfsverordnung betont. Das ist ein Fehler. Denn wie Lucas Ende im Podcast erzählt, sind Rudel weniger Gefahr für Nutztiere, wenn diese von einem Zaun geschützt werden. Denn ansässige Wolfsfamilien merken sich den leichten Stromschlag, der vom Elektrozaun ausgeht. Die Beute ist schwieriger zu erreichen, als Wildtiere zu jagen. Außerdem vertreiben tonangebende Rudel auch einsame, junge Wölfe auf der Suche nach einem Revier. Die Wege der einsamen Jungwölfe sind weniger vorhersagbar, sie sind neugieriger, und sie weichen öfter auf einfache Beute wie ungeschützte Weidetiere aus. Es hilft auch wenig einen einzelnen Wolf abzuschießen, denn es taucht bald wieder ein neuer auf.

Für die oft geäußerte Behauptung, Wölfe würden ohne Bejagung ihre Scheu vor Menschen verlieren und gefährlich werden, gibt es keine wissenschaftlichen Belege. Wildtiere suchen nicht von selbst die Nähe des Menschen. Entscheidend sind andere Anreize wie Futter. Und eine ungeschützte Herde wirkt hier wie ein All-you-can-eat-Buffet. Fachleute sprechen seit Jahren aus, was Almtiere schützen würde: Zäune, Hunde und Hirten – Herdenschutzmaßnahmen die auch von der EU gefördert werden.

Mehr Risse trotz präventiven Schüssen
In der Schweiz werden bereits seit zwei Jahren Wölfe präventiv geschossen. In der sogenannten Regulierungsphase von September bis Jänner wurden heuer bereits 89 Tiere von den kantonalen Wildhütern und Jägern erschossen. Nirgends sonst in der Schweiz sind so viele Wölfe getötet worden wie in Graubünden. Dennoch gab es letzten Sommer dort deutlich mehr Nutztierrisse als im Jahr davor.

Für Landwirte und Almbauern, die um ihre Schafe und Ziegen fürchten ist das Problem enorm. Ihre Bedenken und Ängste müssen auch ernst genommen werden. Nur der Wolf wird so schnell nicht wieder verschwinden, also müssen wir lernen mit ihm zu leben.
Anstatt den betroffenen Bauern vorzugaukeln, die beiden präventiven Abschüsse würden etwas bringen, sollten in Salzburg endlich wirkliche Präventivmaßnahmen ergriffen werden. Die Herden können mit Zäune, Hunde und Hirten geschützt werden. Statt pauschal zu sagen, das geht in unserer kleinräumigen Landwirtschaft nicht. Was nicht heißt, dass es gar keine Abschüsse geben soll. Nähert sich ein Wolf trotz der Herdenschutzmaßnahmen mehrfach einer Weide oder reißt Tiere, sollte er geschossen werden.

In der neuen Werkspost spricht Stefanie Ruep mit Lucas Ende vom Naturschutzbund über die Wolfsabschüsse in Salzburg.

Infobox:
  • Zwei Wölfe sollen künftig in Salzburg präventiv geschossen werden dürfen, also schon bevor sie Nutztiere gerissen haben. Nach diesem Kontingent können weiterhin individuell Wölfe nach der bisher geltenden Abschussverordnung erlegt werden, wenn es Risse gibt. Die beiden präventiven Abschüsse sind also eine zusätzliche Maßnahme.
  • 2025 wurden in Österreich 121 Wölfe genetisch bestätigt, das geht aus dem „Statusbericht Wolf“ des Österreichzentrums Bär, Wolf, Luchs hervor. Gleichzeitig ist die Zahl der Rudel von neun auf acht gesunken. 26 Wölfe wurden im Vorjahr in Österreich nach den jeweils unterschiedlichen Länderverordnungen geschossen.
  • Am 8. Mai beschloss das EU-Parlament im Eilverfahren die Änderung des Schutzstatus in der Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie (FFH-Richtlinie). Der Schutzstatus der Wölfe wurde EU-weit von "besonders geschützt" auf "geschützt" gesenkt. Das soll den Staaten laut EU-Kommission mehr Flexibilität geben, die Jagd auf Wölfe zuzulassen, ohne den Schutz ganz aufzuheben. Naturschützer sind aber der Meinung, dass sich damit für Österreich nichts daran ändert und dass die Jagd auf den Wolf weiterhin verboten ist. Denn sie argumentieren, dass in Österreich der Wolf ja keinen günstigen Erhaltungszustand hat. Das hat übrigens auch der Europäische Gerichtshof (EuGH) in einem Urteil bestätigt.

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