Werkspost – der politische Salzburg-Kommentar
Queer am Land

Jedes Dorf braucht

einen Regenbogen

Sichtbarkeit für queeres Leben am Land schafft Zugehörigkeit. Niemand sollte die Heimatgemeinde verlassen müssen, um er selbst zu sein.
Eine Werkspost von:

Stefanie Ruep

08. Juli 2026
Queeres Leben gibt es auch am Land. Nur leider ist es in vielen Bereichen meist immer noch unsichtbar. Gut, dass sich das endlich ändert. Vereine wie die Heublumen im Pinzgau schaffen mit Pride Paraden in Unken, St. Johann und Mittersill und einem queeren Volksfest im August in Saalfelden Sichtbarkeit. Und sie sind auch eine Anlaufstelle für junge Menschen, die sich oftmals erst selbst finden müssen. Unterschiedliche Lebensrealitäten müssen auch in den Landgemeinden Platz im öffentlichen Raum haben.

Viele queere Personen, die am Land aufgewachsen sind kehren ihren Heimatdörfern den Rücken und ziehen in die Stadt. Dort können einige erstmals so sein, wie sie sind. Denn bislang fehlten in ländlichen Gemeinden queere Orte oder Treffpunkte, die es in der Stadt mittlerweile gibt. Der Verein Heublumen schafft mit seinen regelmäßigen Stammtischen und Festen genau das.

Role Models für junge Menschen
Vor allem Jugendliche suchen beim Entdecken ihrer Identität nach Vorbildern. Wenn junge Menschen aber in ihrer Umgebung nirgendwo offen lesbische, schwule, bisexuelle, trans- oder nichtbinäre Personen sehen, kann der Eindruck entstehen, mit den eigenen Gefühlen allein zu sein. Viele Jugendliche fragen sich dann, ob es überhaupt andere Menschen gibt, die ähnliche Erfahrungen machen. Wie die Obperson der Heublumen, Florian Niederseer, im Podcast der Werkspost erzählt, sind die Mitglieder nun oft die Role-Models, die er sich selbst als queerer Jugendlicher gewünscht hätte. Menschen, die selbstbewusst und stolz ihr Anderssein zelebrieren.

Nicht jede queere Person hat Menschen im direkten Umfeld, mit denen sie über ihre Sorgen sprechen kann. Daher braucht es auch geschützte Räume und Beratungsstellen am Land. Die Hosi Salzburg hat mit dem Projekt „queer durchs land“ ihr Angebot um eine queere Jugendarbeit in den Salzburger Gauen erweitert. Sowohl die Hosi als auch die Heublumen unterstützen auch Vereine, Eltern und andere Bezugspersonen dabei, Unsicherheiten abzubauen und Verständnis zu entwickeln.

Coming-out im Schützenverein?
Ein Coming-out bei der Blasmusikkapelle, im Sportklub oder Schützenverein – für viele aktuell noch immer unvorstellbar. Eigentlich sollte es egal sein, wen man liebt und auch im eigenen Verein dazu stehen können. Tradition darf nicht als Ausrede dienen, um Veränderungen abzulehnen oder Menschen auszuschließen. Vereine profitieren von Vielfalt. Deshalb sollte sie für alle Menschen geöffnet werden. Unterschiedliche Perspektiven bereichern das Miteinander und fördern eine Kultur des Respekts. Vereinsverantwortliche können dazu beitragen, indem sie klar Stellung gegen Diskriminierung beziehen und ein Umfeld schaffen, in dem sich alle willkommen fühlen.

Das Leben am Land gilt als Inbegriff von Gemeinschaft, Zusammenhalt und Tradition. Jeder kennt jeden, viele engagieren sich in Vereinen und helfen sich gegenseitig. Doch für queere Menschen kann das Dorfleben herausfordernd sein. Wer nicht der gesellschaftlichen Norm entspricht, fühlt sich im Ort oft beobachtet, allein oder hat Angst vor Ablehnung. Deshalb ist Sichtbarkeit am Land so wichtig. Wenn in einer Gemeinde offen über Vielfalt gesprochen wird oder queere Menschen Teil des öffentlichen Lebens sind, sendet das eine wichtige Botschaft: Du gehörst dazu.

Denn Queere Menschen gehören selbstverständlich zu jeder Gemeinde – egal ob am Land oder in der Stadt. Diese Vielfalt sichtbar zu machen durch Paraden, Feste und Stammtische ist kein Selbstzweck. Die Sichtbarkeit hilft Menschen sich zugehörig und angenommen zu fühlen, Vorurteile in der Gemeinde abzubauen und Einsamkeit und Abwanderung zu verhindern.

In der neuen Werkspost spricht Stefanie Ruep mit Florian Niederseer über Pride Parades, das Heublumenfest und das queere Leben am Land.

Infobox:
  • LGBTQIA+ ist eine Abkürzung für Lesbian, Gay, Bi, Trans, Queer, Intersex und Asexual. Das Plus steht für weitere Geschlechtsidentitäten. Rund zehn Prozent der Menschen fühlen sich laut HOSI einem der Buchstaben von LGBTQIA+ zugehörig. Im Bundesland Salzburg wären das rund 56.000 Personen.
  • Der Verein Heublumen ist eine LGBTQIA+-Initiative aus dem Pinzgau, die sich für mehr Sichtbarkeit, Akzeptanz und Gemeinschaft für queere Menschen im ländlichen Raum einsetzt. Der Verein organisiert Pride Paraden, bietet Stammtische und Dialogabend zur Vernetzung an und unterstützt queere Menschen am Land.
  • Vor der Vereinsgründung veranstaltete Obperson Florian Niederseer im Sommer 2021 die erste Pride Parade in Unken im Pinzgau. Auslöser war, dass eine Regenbogenfahne vom örtlichen Kirchturm geschnitten wurde. „Wenn wer die Regenbogenflagge runterschneidet, dann kommen hundert neue", begründet Niederseer im Podcast der Werkspost seine Intention. Mittlerweile unterstützt der Verein auch andere Initiativen am Land, um tätig zu werden und Sichtbarkeit zu schaffen.
  • Die Hosi Salzburg bietet mit dem Projekt „queer durchs land“ regional queere Jugendarbeit an. Dabei werden LGBTIQA+-Jugendliche mit Beratung und Informationen unterstützt. Es gibt niederschwellige Hilfe zum Coming-out, sexueller Orientierung oder Geschlechteridentität. Das Projekt arbeitet auch mit Jugendzentren oder anderen Einrichtungen der offenen Jugendarbeit zusammen, um Akzeptanz zu fördern und Diskriminierung abzubauen.

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