Werkspost – der politische Salzburg-Kommentar
Würdigung

Ein Denkmal für

Arbeiterinnen und Arbeiter

Das am Julius-Raab-Platz geplante „Gastarbeiter“-Denkmal in Salzburg ist mehr als nur eine Wertschätzung der Arbeitsmigranten und -migrantinnen.
Eine Werkspost von:

Thomas Neuhold

05. August 2026
Noch im Herbst 2026 soll in Salzburg Österreichs erstes „Gastarbeiter“-Denkmal enthüllt werden. Der Beschluss im Kulturausschuss des Gemeinderates stützte sich auf die rot-rot-grüne Mehrheit. ÖVP und FPÖ stimmten dagegen. 80.000 Euro sind im Budget vorgesehen.

Die Location Julius-Raab-Platz im Andrä-Viertel direkt gegenüber der Salzburger Wirtschaftskammer ist gut gewählt. Historisch gut, weil die Abkommen zur Anwerbung ausländischer Arbeiter und Arbeiterinnen in den 1960er-Jahren ganz wesentlich auf den damaligen Wirtschaftskammerchef, Ex-Kanzler Julius Raab (ÖVP), zurückgehen. Politisch gut, weil die schwarzen Kammerfunktionäre damit täglich daran erinnert werden, wer den Reichtum Österreichs (mit) aufgebaut hat.

Das Denkmal für Arbeitsmigranten und -migrantinnen geht auf eine Initiative von SPÖ-Gemeinderat Tarik Mete zurück. Mete stammt selbst aus einer türkischen „Gastarbeiter“-Familie. Die Arbeitsmigranten und -migrantinnen waren, ihre Nachfahren seien, ein unverzichtbarer Teil unserer Gesellschaft, sagt Mete heute: „Sie leisten tagtäglich unverzichtbare Beiträge im Gesundheits- und Pflegebereich, auf Baustellen, in der Industrie, in Gastronomie und Tourismus sowie in zahlreichen anderen Branchen.“

Schwarz-blaues Nein
ÖVP und FPÖ stimmten im Gemeinderat gegen das Projekt. Bei den radikalen Rechten ist das wenig verwunderlich, das blaue Njet fügt sich nahtlos in die ebenso arbeiter- wie ausländerfeindliche Grundhaltung von Rechtsaußen ein.

Einigermaßen grotesk hingegen sind die Nein-Stimmen der ÖVP. Und das nicht nur, weil die Salzburger Volkspartei mehrere Funktionäre und Funktionärinnen mit Migrationshintergrund in ihren Reihen hat. Mit dem Nein zum „Gastarbeiter“-Denkmal stimmten die ÖVPler und ÖVPlerinnen auch gleich einmal gegen ihre eigene Geschichte: Schließlich war es ja die von der ÖVP dominierte Wirtschaftskammer, die in den 1960er-Jahren massiv auf die Anwerbung billiger (und rechtloser) ausländischer Arbeiter und Arbeiterinnen drängte.

Würdigung der Arbeit
Neben der Wertschätzung für jene Menschen, die ganz wesentlich zum Aufbau Österreichs beigetragen haben, hat das Denkmal noch eine ganz andere Dimension: Es wird österreichweit eine der ganz wenigen Würdigungen im öffentlichen Raum sein, die explizit die kollektive Leistung arbeitender Menschen thematisiert. Kein einzelner Bischof, kein Kriegsherr und auch kein einzelner Künstler ist Inhalt des Denkmals, sondern ein Kollektiv hunderttausender Menschen, die mit ihrer Händen Arbeit etwas geschaffen haben.

Der österreichische Schriftsteller Heinz Rudolf Unger hat in der Proletenpassion für die Polit-Gruppe „Schmetterlinge“ dazu die treffenden Zeilen geschrieben: „Die erzenen Reiter auf den Heldenplätzen, die waren nie unsere Retter.“ Auch Bert Brecht widmete sich in den „Fragen eines lesenden Arbeiters“ diesem Thema: „Wer baute das siebentorige Theben? In den Büchern stehen die Namen von Königen. Haben die Könige die Felsbrocken herbeigeschleppt?“ Das „Gastarbeiter“-Denkmal wird also auch ein Denkmal für die Arbeit an sich, für alle Arbeiter und Arbeiterinnen, für die Arbeiterklasse sein. Das macht es besonders wertvoll.

In der neuen Werkspost spricht Thomas Neuhold mit Tarik Mete (SPÖ) über Arbeitsmigration und das neue Gastarbeiter:innendenkmal.

Kurze Geschichte der Arbeitsmigration nach 1945
  • Der Beginn der Arbeitsmigration in der Zweiten Republik reicht in das Jahr 1961 zurück. Die Unternehmen benötigten dringend neue und vor allem auch billige Arbeitskräfte. Die Sozialpartner – für den Gewerkschaftsbund Franz Olah, für die Wirtschaftskammer Julius Raab – einigten sich 1961 auf Kontingente für Arbeiter und Arbeiterinnen aus dem Ausland.
  • Die ersten Abkommen mit den Herkunftsländern der Arbeitsmigranten traten 1962 (mit der damals faschistischen Diktatur Spanien), 1964 (Türkei) und 1966 (Jugoslawien) in Kraft. 1974 wurde die Anwerbung de facto gestoppt, da im Zuge der ersten Ölkrise das Wirtschaftswachstum deutlich zurückging und die Ausländerfeindlichkeit drastisch zugenommen hatte.
  • Schon das Wort „Gastarbeiter“ sollte klarstellen, dass die Menschen nur vorübergehend in Österreich erwünscht waren. Die Menschen waren Anfeindungen ausgesetzt, lebten oft unter unwürdigen Bedingungen und waren auch rechtlich diskriminiert. So hatten beispielsweise die „Gastarbeiter“ bis 1974 bei Betriebsratswahlen kein Stimmrecht.
  • Bis Mitte der 1980er-Jahre kamen insgesamt rund 220.000 klassische „Gastarbeiter“ nach Österreich. Sie stammten überwiegend aus der Türkei und aus Jugoslawien. Die Anwerbungsversuche in Spanien zeigten nicht die erwünschte Wirkung. Eine weitere Station der Arbeitsmigration nach Österreich war der Zuzug polnischer Arbeiter und Arbeiterinnen nach 1991. Es handelte sich um eine Art „Pendelmigration“; die Menschen waren unter der Woche in Österreich und übers Wochenende in Polen. Es gibt hier kaum valide Zahlen, da viele Beschäftigungsverhältnisse nicht gemeldet wurden und der Schwarzarbeitsanteil extrem hoch war.
  • Die Kriegsvertriebenen der Jugoslawien-Kriege in den 1990er-Jahren und jene aus Syrien, Afghanistan und dem Irak in den Jahren 2015, 2016 ff. werden nicht zur Arbeitsmigration gezählt, auch wenn sie inzwischen überwiegend (Jugoslawien-Flüchtlinge) oder zu einem großen Teil (Fluchtbewegungen 2015 ff.) einer lohnabhängigen Beschäftigung nachgehen.

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