Werkspost – der politische Salzburg-Kommentar
Klimapolitik

Das Ende des ewigen Winters -

Salzburgs Gletscher sterben

Noch hält ein dünner Streifen Eis die Pasterze zusammen, ein paar Meter Gletscher trennen Österreichs größtes Eisfeld noch vor dem endgültigen Zerfall. Das ist nicht einfach ein zufälliges Phänomen, sondern Teil der Klimakrise. Denn nicht nur die Pasterze steht kurz vor ihrem Aus. In wenigen Jahrzehnten soll Österreich gletscherfrei sein. Die ökologischen Veränderungen fordern politische und wirtschaftliche Veränderungen, vor allem ersteres wird vernachlässigt.
Eine Werkspost von:

Lukas Oberauer

22. Juli 2026
Das große Schmelzen
Die Zahlen sind schonungslos. Allein im hydrologischen Jahr 2025 (siehe Infobox unten) schrumpfte das Stubacher Sonnenblickkees im Pinzgau um mehr als 103 Meter, das Krimmler Kees in der Venedigergruppe um über 90 Meter. Kees ist ein umgangssprachliches Synonym für Gletscher und wird vor allem im Salzburger Alpenraum verwendet. Insgesamt verloren von 96 beobachteten Gletschern 94 an Masse. Eisflächen reißen ab, Gletscherzungen brechen zusammen und Felsstufen schmelzen frei. Für das hydrologische Jahr 2025 bedeutet das einen globalen Verlust von über 408 Gigatonnen Gletschermasse. In den letzten sieben Jahre finden sich die sechs verlustreichsten Jahre der gesamten Gletschermessgeschichte. Allein für die Pasterze bedeutet das einen Verlust von über einem halben Meter Schneedicke, was von der Masse einem Eiswürfel mit über 230 Meter Kantenlänge gleicht, so ein Pressetext des Österreichischen Alpenvereins vom 02.07.2026.

Schwindende Gletschern und steigende Kosten
Salzburgs Identität basiert seit Jahrzehnten auf Schnee. 1966 wurde mit dem Kitzsteinhorn in Kaprun das erste Gletscherskigebiet in Österreich eröffnet, ein Versprechen für den ewigen Winter. Heute ist es das letzte Gletscherskigebiet im Land Salzburg. Verspätete Saisonbeginne sind auf immer wärmere Sommer zurückzuführen, das stellt Gletscherbahnen wie die Kaprun AG vor Herausforderungen. Zu den ökologischen Auswirkungen zählen die abnehmende Schneesicherheit im Tourismus, Veränderungen im Wasserhaushalt mit Folgen für die Energieversorgung sowie häufigere Extremereignisse wie Muren, Felsstürze und Hochwasser durch das Schmelzen der Permafrostböden. Gemeinsam mit den Gletschern dienen die Permafrostböden als natürliche Wassertürme der Alpen, indem sie Wasser speichern und kontrolliert abgeben. Durch Verlust der natürlichen Wassertürme steigt die Wahrscheinlichkeit von Extremereignissen an. Die durch das Schmelzen neu entstehenden Bergseen sind zwar optisch schön, können aber als Flutwellen Täler verwüsten, wenn die freigelegten Moränen brechen. Gelöst werden diese Probleme aktuell noch mit Schneemaschinen, Geotextilien und Schutzbauten, ökonomisch teuer und wenig nachhaltig. Zum einen werden die Gletscher mit Geotextilien abgedeckt, um das Schmelzen zu verlangsamen was durch Helikopter- und Pistenraupeneinsätze zu einem hohen CO2- Ausstoß führt während in Tälern die Bauten zum Schutz vor Hochwasser oder Muren oftmals aus klimaschädlichem Stahlbeton gefertigt werden. Die Kosten steigen mit jedem Jahr und werden primär von Gemeinden und Land getragen, somit von der Allgemeinheit. Gletscherschmelze ist also nicht nur ein Problem für den Wintertourismus, sie bedeutet längerfristig auch weniger Wasser für die Stauseen im Pinzgau, welche eine große Stütze der Wasserkraft und somit für die Energieversorgung für das Land Salzburg sind. Gesellschaftsrelevante Fragen für die Zukunft bleiben nach wie vor unbeantwortet. Wer bezahlt die immer teurer werdende Anpassung? Wer ist verantwortlich, wenn wichtige Infrastruktur verloren geht und was wird aus den Menschen, die ihr Leben seit Generationen durch die Bergwirtschaft finanzieren?

Klimasabotage der Landesregierung
Bereits im Jahr 2023, kurz nach der Angelobung der aktuellen schwarz-blauen Regierungskoalition des Landes, konnte man erahnen, dass der Klimaschutz maximal ein Randthema sein wird. Zum einen wurde die Landesumweltanwaltschaft eingeschränkt. Diese kann nach dem Beschluss dreier Gesetzesnovellen 2023, 2024 und im Juli 2026 nicht mehr vor den Verwaltungsgerichtshof, also das Höchstgericht ziehen und sie ist von Verfahren bei Bauprojekten und Landschaftsschutzgebieten ausgeschlossen. Auch das EU-Renaturierungsgesetz, das von Expert:innen als große Chance für Feuchtgebiete, Moore und das sensible Alpenökosystem gesehen wird, lehnt die Landesregierung strikt ab. Diese Haltung ist nicht nur ökologisch kurzsichtig, ein Nichteinhalten könnte auch Strafzahlungen aus Brüssel nach sich ziehen, wie der Naturschutzbund im Juni dieses Jahres warnte. Dieser Umgang mit Klimaschutz ist grob fahrlässig für die Menschen der Region, jegliche Tourismusbetriebe und für das Erbe künftiger Generationen. Sie werden ein Salzburg erleben, welches völlig anders aussieht als das, welches wir heute kennen.

In der neuen Werkspost spricht Lukas Oberauer mit

Martina Berthold und Bernhard Salcher über

Gletscherschmelzen und Folgen

für Wirtschaft und Gesellschaft.

Infobox:
Hydrologisches Jahr:
Darunter versteht man eine Abweichung des klassischen Kalenderjahres aufgrund der Niederschlagsbedingungen. Da Niederschläge im Spätherbst und im frühen Winter zum Teil als Schnee oder Eis gespeichert wurden, werden diese Niederschläge erst im folgenden Kalenderjahr als Schmelzwasser abflusswirksam.
ENSO-Lexikon. (o. J.). Abflussjahr. ENSO. https://www.enso.info/enso-lexikon/lemma/abflussjahr

Mit dem Studienjahr 2026/27 welches im Oktober beginnt wird an der Universität Salzburg eine neuer Bachelorstudiengang Angewandte Umwelt und Geowissenschaften eingeführt. Themengebiete sind dabei: Praxisnahe Themen wie Gebirgsbildung, Naturgefahren, Wasserressourcen, Klimawandel und nachhaltiges Umweltmanagement.
Paris Lodron Universität Salzburg. Bachelor Geologie Studieninformation. Abteilung Umwelt & Biodiversität, Fachgebiete der Geologie und Physische Geographie. Abgerufen am 15. Juli 2026, von https://www.plus.ac.at/umwelt-und-biodiversitaet/forschung/fachgebiete-der-geologie-und-physische-geographie/geologie/studien-geologie/bachelor-geologie-2/

Wie im Text genannt steht Kees synonym für Gletscher und wird vor allem im Salzburger Alpenraum verwendet. Im westlichen Tirol versteht man Gletscher oft als Ferner und in der Schweiz als Firn. Wobei unter Firn eigentliche alter grobkörniger Schnee verstanden wird, welcher sich zu Gletschereis entwickelt. Ferner und Firn stammen beide vom akthochdeutschen Wort firn, welches übersetzt alt bedeutet. Kees hat seinen Ursprung ebenfalls im Althochdeutschen und bedeutet Eis/Kälte.
Nationalpark Hohe Tauern. (o. J.). Die Gletscher der Hohen Tauern Unterrichtsmaterial. Abgerufen am 16. Juli 2026, von https://hohetauern.at/images/dateien/unterrichtsmaterialien/gletscher.pdf

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