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Wir müssen mit unserer Sprache bewusster umgehen
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Dialekte werden zurückgedrängt. Begriffe ihrer Inhalte beraubt. Politisches Framing lenkt unser Denken. Es ist höchste Zeit für einen sorgfältigeren Umgang mit unserer Sprache.
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Heimische Dialekte nutzen.
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Lassen wir hier einmal den kindischen Streit um das Adjektiv „lecker“ beiseite. Die heimischen Dialekte sind zwar nicht verschwunden, die medial transportierte Standardsprache setzt ihnen aber gehörig zu. Wer Dialekte konservieren will, ist naiv, sie unterliegen wie jede Sprache einem ständigen Wandel. Wer hingegen Dialekte fördern will, tut dies aus gutem Grund. Dialekte schaffen Identitäten – regionale wie soziale.
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Dialekte bieten auch ein Gegengewicht zur hegemonialen Mickey-Mouse-Kultur, sie bieten Vielfalt im globalen Einheitsbrei und haben ganz nebenbei oft auch viel Sprachwitz. Ernst Hinterbergers Mundl in Standardsprache? Undenkbar!
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Dialekte müssen auch nicht zwangsweise reaktionär volkstümelnd daherkommen, wie mancher rechtsdrehende Privatsender suggeriert. Es ist ein bisserl wie mit der Musik: volkstümliche Musik hat nur wenig mit Volksmusik zu tun. Apropos Musik: Dass Dialekt nicht zwangsweise mit einer konservativ-reaktionären Grundhaltung zu tun hat, zeigen in Salzburg seit Jahrzehnten die Lungauer „Querschläger“, um ein Beispiel zu nennen.
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Sinnentleerte Begriffe meiden.
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Es gibt zahlreiche Wörter, die kann man einfach nicht mehr hören. Die „Nachhaltigkeit“ ist so ein Beispiel. Einst ein Modell ökologisch verträglichen, sozialen und demokratischen Wirtschaftens, ist die Nachhaltigkeit längst zum Unwort verkommen. Werbewirtschaft und PR-Agenturen haben so ziemlich alles „nachhaltig“ eingefärbt, was nur möglich ist. Selbst „nachhaltige“ SUVs werden angepriesen; das ist Greenwashing vom Feinsten.
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Noch ein Beispiel? „Es gibt keine Probleme, es gibt nur Herausforderungen.“ Dieser oberflächliche Management- oder Politsprech stammt vermutlich aus der Giftküche irgendwelcher NLP-Trainer:innen. Alles ist lösbar, alles ist machbar, lautet die Botschaft. Dass es komplexe Probleme gibt, wo Manager:innen, wo Politiker:innen, jetzt auch nicht so genau wissen, was zu tun ist, wird sprachlich unter den sprichwörtlichen Teppich gekehrt. Komplexe Sachverhalte werden so als lösbare Herausforderung dargestellt, für die es einfache Antworten gebe.
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Politisches Framing erkennen.
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Dass Sprache unser Denken bestimmt und dieses die Grundlage unserer Handlungen ist, klingt vorerst einmal banal. Es ist aber genau diese Binse, die sich hinter dem politischen Framing verbirgt. Mit einfachen sprachlichen Tricks werden Deutungsrahmen aktiviert, die ein und derselben Sache, ein und demselben Vorgang einen ganz anderen Deutungsrahmen geben. Oder um es – sinngemäß – mit dem Journalisten und Schriftsteller Georg Orwell zu sagen: So wie das Denken die Sprache verderben kann, kann auch die Sprache das Denken verderben. Es gibt Beispiele sonder Zahl: Die „Flüchtlingswelle“ framed Menschen als bedrohliche Naturgewalt, rechte Boulevardmedien sprachen 2015 gar vom „Flüchtlings-Tsunami“. Werden Geflüchtete hingegen als „Vertriebene“ bezeichnet, entsteht eher ein von Mitmenschlichkeit geprägtes Bild – hier benötigen Menschen Hilfe.
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Nicht immer sind die Dinge so einfach zu erkennen: Wenn Viktor Orbans faschistische Kleptokratie als „illiberale Demokratie“ bezeichnet wird, bleibt zumindest noch das Framing „Demokratie“ über; ist ja eh nicht so schlimm in Ungarn. Besonders tricky wird es, wenn es sich um gleichermaßen positiv besetzte Begriffe handelt: „Meinungsfreiheit“ wird in bürgerlichen Medien gerne mit „Demokratie“ gleichgesetzt. Das so entstehende Framing blendet – meist bewusst und gewollt – aus, dass es zwar keine Demokratie ohne Meinungsfreiheit geben kann, Meinungsfreiheit allein freilich noch keine Herrschaft des Demos (Herrschaft des Volkes) ist.
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In der neuen Werkspost spricht Thomas Neuhold
Sprachwissenschaft an der Universität Salzburg.
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- Wer sich einfach erklärt über Dialekte im Alpenraum informieren will ist beim von Professor Hannes Scheutz erstellten Sprachatlas (inklusive Quiz) genau richtig: https://www.sprachatlas.at/alpenraum/
- Ähnlich aufgebaut für das Bundesland Salzburg ist auch der Salzburger Sprachatlas - ebenfalls von Hannes Scheutz erstellt: https://www.sprachatlas.at/salzburg/
- Buchtipp zum Thema Framing: Elisabeth Wehling, „Politisches Framing“, Edition Medienpraxis Hahlem Verlag, Köln 2016.
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