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Nebenbahnen sind nicht nebensächlich!
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Wer bei kleinen Bahnlinien am Land den Rotstift ansetzt oder diese gar infrage stellt, arbeitet gegen die Mobilitätswende. Fehlen Fahrgäste, müssen Regionalbahnen gefördert, statt eingestellt werden. Mikro-Öffis und Busse sind wichtige Zubringer, aber kein Ersatz für Schienenverkehr, der besser angenommen wird, umweltfreundlicher fährt und nicht im Stau steht.
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Mitte Mai beschloss der Ministerrat den neuen ÖBB-Rahmenplan. Angesichts der hohen Staatsschulden gibt der Bund mit 19,7 Milliarden um 1,4 Milliarden Euro weniger für ÖBB-Projekte aus als im Plan davor. Bei der Almtal-, Hausruck- und Mühlkreisbahn in Oberösterreich und der Thermenbahn in der Oststeiermark kündigten die ÖBB an, mit den betroffenen Bundesländern zu beraten, ob man die Züge durch Busse ersetzen könne. Die Bahnen hätten zu wenige Fahrgäste.
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In Salzburg verzögert der ÖBB-Rahmenplan den Bau des Flachgautunnels bei Köstendorf. Dafür wird die Bahnstrecke am Pass Lueg bei Golling 2029 ausgebaut. Aber auch Linien, die nicht den ÖBB gehören, wie die Salzburger Lokalbahn, müssen sparen. Privatbahnen steht in den nächsten fünf Jahren nur die Hälfte der benötigten Förderung zur Verfügung. 88 statt 173 Millionen Euro jährlich zahlt der Bund. Projekte müssten „redimensioniert“ werden.
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Bus kann Bahn nicht ersetzen, nur ergänzen
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Züge werden laut dem Verkehrsclub Österreich besser angenommen als Busse. Sie stehen nicht im Stau, fahren höhere Geschwindigkeiten und dank der geraden Streckenführung kann man die Fahrzeit nutzen, um zu arbeiten. Ebenso ist meist mehr Barrierefreiheit und Platz etwa für Fahrräder geboten. Ein Vergleich des deutschen Umweltbundesamtes 2023 zeigte, dass selbst Dieselloks mit einer Auslastung von 27 Prozent nur die Hälfte der Treibhausgase pro Personenkilometer verursachen im Vergleich zu Verbrenner-PKWs, in denen meist eine Person sitzt. Elektrische Loks stoßen etwa halb so viele Treibhausgase wie E-Autos aus. Bahnen machen Regionen außerdem attraktiver für Firmen, nachhaltigen Tourismus und als Wohnort.
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Busse und Mikro-Öffis sind wichtig als Zubringer der Nebenbahnen, die zu Hauptlinien führen. Ist das Zusammenspiel aufeinander abgestimmt, bringt das mehr Fahrgäste. Bahnen würden sich laut den ÖBB ab 2000 Fahrgästen pro Tag rechnen. Von den gefährdeten Bahnen hat die Almtalbahn mit 1500 Fahrgästen täglich die meisten. Sie fährt im Ein- bis Zweistundentakt. Für mehr Fahrgäste muss man in einen höheren Takt und eine schnellere Strecke investieren. Die Einstellpläne sind umso absurder, da das Land Oberösterreich und der Bund 2019 ein Investitionspaket in diese Regionalbahnen bis 2030 mit 245 Millionen Euro vereinbarten. 12 Millionen Euro flossen 2024 in die Almtalbahn. Laut dem oberösterreichischen Verkehrsressort würden Verkehrsdienstverträge das Bestehen der Bahnen außerdem bis 2033 zusichern.
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Auch die Salzburger Lokalbahn stand in den 1980er Jahren auf der Kippe. Stattdessen baute man sie aus. 8500 Fahrgäste nutzen sie täglich und können teils alle 15-Minuten fahren. Für die Modernisierung wurden in den nächsten fünf Jahren 162 Millionen Euro beantragt. Auf 2026 sollen sich die Sparpläne noch nicht stark auswirken. Verschiebungen wird es aber wohl geben.
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Öffis fördern soziale Teilhabe aller, die nicht Auto fahren. 48 Prozent der Menschen in Österreich hatten 2023 eine unzureichende Öffi-Anbindung. Das österreichische Schienennetz umfasst rund 5600 Kilometer, nur noch etwa die Hälfte davon sind Regionalbahnen. Das Straßennetz hingegen erstreckt sich auf 128 000 Kilometer, Tendenz steigend. Diesen Trend umzukehren, statt zu befeuern, ist nur eine Frage der verkehrspolitischen Einstellung
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In der neuen Werkspost spricht Flora Platzer mit Martin Loidl vom Mobility Lab über die Auswirkungen der Sparpläne und darüber, was es für eine Mobilitätswende bräuchte.
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- Die Salzburger Lokalbahn verläuft von Salzburg Hauptbahnhof über Oberndorf und Bürmoos nach Lamprechtshausen. In Bürmoos zweigt ein Ast ins oberösterreichische Ostermiething ab. Die Lokalbahn steht im Eigentum der Salzburg AG. Die wiederum gehört zu 42,56 Prozent dem Land Salzburg, zu 31,31 Prozent der Stadt Salzburg und zu 26,13 Prozent der Energie AG Oberösterreich.
- Die oberösterreichische Almtalbahn verbindet Grünau im Almtal über Sattledt mit Wels. Die Hausruckbahn verläuft von Attnang-Puchheim über Ried im Innkreis nach Schärding. Die Mühlkreisbahn fährt von Linz Urfahr über Rottenegg bis Aigen-Schlägl. Die Strecke zwischen Rottenegg und Aigen-Schlägl könnte eingestellt werden. Die Thermenbahn in der Oststeiermark verbindet Friedberg über Hartberg und Fürstenfeld mit Fehring. Der Abschnitt von Hartberg bis Fehring steht hier auf der Kippe. Alle vier Bahnen gehören den ÖBB.
- Derzeit hat die Almtalbahn 1500 Fahrgäste täglich, die Hausruckbahn 1200, die Thermenbahn 900 und die Mühlkreisbahn 375. Mit der Salzburger Lokalbahn fahren pro Tag rund 8500 Personen.
- Für den Erhalt der Almtal- und der Hausruckbahn gibt es Unterschriftenlisten
- Eine Untersuchung des Momentum Institutes zur Öffi-Anbindung in Österreich 2023 findet man hier.
- Einen Vergleich des deutschen Umweltbundesamtes über durchschnittliche Emissionen von Personenverkehrsmitteln 2023 findet man hier.
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