Werkspost – der politische Salzburg-Kommentar
Blinder Fleck einer Kulturstadt

Clubkultur muss ins Licht!

Salzburger Festspiele, Mozart und für die Gäste aus Übersee Sound of Music – das sind die touristisch-kulturellen Aushängeschilder Salzburgs. Für viele genauso wichtig aber zu Unrecht abgewertet wird die Clubkultur. Bei dieser steht nicht der Konsum im Vordergrund, sondern es geht um Austausch, Gemeinsamkeit und das Vergessen der alltäglichen Probleme. Clubkultur soll für jede Person zugänglich und erfüllend sein. Dafür braucht es Rahmenbedingungen und Maßnahmen – auch seitens der Salzburger Gemeinden und Landesregierung.
Eine Werkspost von:

Lukas Oberauer

20. August 2025
Clubkultur als Third Space
Clubkultur ist der Schnittpunkt von Musik, Gemeinschaft und Selbstermächtigung. Sie ist individuell, ob groß veranstaltete DJ-Nächte oder kleinere queer-feministische Partys, ob zweimal in der Woche oder zweimal im Jahr: Clubkultur ist für jeden. Sie hat das Ziel niederschwellige und sichere Orte zu schaffen. Fehlende Barrierefreiheit oder Awareness-Konzepte - die helfen das Miteinander zu fördern, Bedürfnisse, Grenzen und Gefühle aller zu respektieren - und zu hohe Preise sind nur ein paar der zu vielen Hürden für eine inklusiv gelebte Clubkultur in Salzburg.

Dass man unter Clubkultur nicht nur gedankenloses Herumtanzen und hirnlosen Drogenkonsum versteht wird klar, wenn man sich mit dem Begriff Third Space auseinandersetzt. Gemeint ist der gelebte Raum einer Person neben Arbeit und Wohnung. Wie relevant diese Orte sind, erfuhr man zur Zeit der Coronapandemie. Wenn einem die Freiheit genommen wird, sich an frei ausgewählten Orten mit beliebig vielen Menschen zu treffen, fehlt etwas. Gegen diese Leere hilft keine Digitalisierung, es braucht echten menschlichen Kontakt.


(Fehlende) Maßnahmen
Für die Clubkultur in Salzburg tritt vor allem die Salzburger Club Commission ein. Die Club Commission ist eine organisierte Gruppe verschiedenster Szenenvertreter:innen, darunter DJ´s, Clubinhaber:innen und Veranstalter:innen. Gemeinsam stellen sie Forderungen an Land und Stadt Salzburg. So wurde auf Initiative der Commission und des Dachverband Kultur zum Jahresbeginn 2025 die Vergnügungssteuer in der Stadt Salzburg gestrichen. Es gibt erste Awareness-Workshops des Frauennotruf Salzburg und der Club Commission. Zudem wurde dieses Jahr noch mehr Geld als im Vorjahr in die Veranstaltung „Live in Salzburg“ investiert. Seit diesem Jahr gibt es erstmals einen eigenen Fördertopf der Stadt Salzburg mit gerade mal 50.000 Euro. Wenn sich Land oder Gemeinden in Salzburg für Clubkultur einsetzten ist es aber immer nur reaktiv, visionär handelt man nie.

In Wien beispielsweise muss ab 2026 jeder Club ein Awareness-Konzept vorweisen können. In Salzburg fehlen sowohl diese Maßnahme als auch eine Nachtbürgermeister:in: Diese Verknüpfungsperson zwischen Szenen, Verwaltung und den Anrainer:innen gibt es in Amsterdam bereits seit 2003.

Clubkultur wird bestenfalls im Sammelbegriff Kultur mitgemeint, obwohl Probleme wie die Nachtruhe ab 22 Uhr, oder fehlende geeignete Räume für Veranstalter:innen nicht immer den ganzen Kultursektor betreffen. Es braucht eine stärkere Differenzierung und mehr Bewusstsein für die Bedürfnisse der Clubs.

In der neuen Werkspost spricht Lukas Oberauer

mit Jonathan Zott (li.) vom Rockhouse und

Sebastian Linz (mi.) von der ARGEkultur,

über die Clubkultur in Salzburg.

Infobox:
  • Clubkultur bezeichnet ein soziales, kulturelles Konzept, das zumeist nächtliches Ausgehen mit Praktiken wie Musik, soziale Interaktionen und gemeinschaftlicher Erfahrungen die zur Bildung von Subkultur, Identitätsbildung oft auch politischem Engagement beinhaltet. Dabei ist Clubkultur dynamisch, stark lokal geprägt, mit globaler Vernetzung.
  • Die Vergnügungssteuer wird in Salzburg in circa einem Drittel der Gemeinden eingesetzt. Durch das Festival Electric Love in Koppel und Plainfeld nehmen die beiden Gemeinden mit insgesamt knapp 5.000 Einwohner: innen eine Vergnügungssteuer von um die 200.000€ jährlich ein.
  • Die verpflichtenden Awareness-Konzepte der Stadt Wien ab 2026 gelten für Veranstaltungen ab 300 Personen mit Alkoholausschuss und Tanzfläche und einem Ende nach 21 Uhr. Es müssen klar definierte Rettungsketten für Notfälle und Übergriffe, Awareness-Beauftragte für den Umgang mit Belästigung, Konflikten oder Diskriminierung vorhanden sein. Auch muss es ausreichende Beleuchtung an WC-Anlagen oder im Außenbereich geben.
  • In Österreich gibt es die erste Club Commission seit 2020 in Wien, seitdem haben so gut wie alle großen Städte Österreichs wie Linz, Innsbruck und Salzburg eine Club Commission. In Graz gibt es (noch) keine.

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